Raffael, Madonna im Grünen

Raffael (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Madonna im Grünen
(1505 oder 1506) Holz, H: 113 cm, B: 88,5 cm; Nr. 175

In der kurzen Zeitspanne, die wir als Hochrenaissance bezeichnen (es sind dies nicht mehr als etwa zwanzig Jahre), ist Raffaels Madonna im Grünen das klassische Beispiel für eine aus einer strengen geometrischen Form, dem gleichseitigen Dreieck bzw. der Pyramide, entwickelte Komposition. Innerhalb dieser scheinbar starren Konfiguration entfaltet sich eine lebhafte Handlung, jene mildernd und doch überall parallele oder kontrapunktische Bezüge schaffend. Auch die weite grüne und gegen den Hintergrund zu verblauende Landschaft mit ihren sanft schwingenden Hügelzügen trägt bei, zu harmonisieren und sämtliche Bildelemente durch Formverwandtschaft miteinander in Einklang zu bringen. Die Figurengruppe ist also zugleich regelmäßig und belebt, eine neue und ungewöhnliche Kombination kontrastierender Eigenschaften, die nichts von außen her aufgezwungen erscheinen läßt. Raffael, der in diesen Jahren auch unter dem Einfluß des um dreißig Jahre älteren Leonardo da Vinci stand, nimmt formale Experimente Leonardos mit Madonnenkompositionen auf: Wichtig vor allem die organische Verkettung seelischer und körperlicher Bewegungsmotive in Reaktion und Gegenreaktion, die zu einer lebendigen Vereinheitlichung von formalen und inhaltlichen Momenten führen sollte. "Es ist nur die reinste Schönheit des Weibes und des Kindes, die den Gedanken an das Übernatürliche erweckt. Die Kunst ist nach anderthalb Jahrtausenden wieder einmal auf der Höhe angelangt, wo ihre Gestalten von selbst und ohne alle Zutaten als etwas Ewiges und Göttliches erscheinen" (Jacob Burckhardt).

  zurück
  Seitenanfang
  Seitenende